Ich will auch in 10 Jahren Aktfotos noch auf Papier sehen

Der Frankfurter Fotograf Simon Bolz ist seit 2006 dabei. Manchmal wird er das Gefühl nicht los, dass Deutschland tendenziell noch recht prüde ist, obwohl Nacktheit in den Medien allgegenwärtig ist. Der Fotograf und seine Models im Profil:

Simon, wie lange bist du schon bei der Fotografie bzw. Aktfotografie dabei?

Mein erstes Aktshooting habe ich 2006 umgesetzt. Mit der Fotografie habe ich mich aber schon davor während meines Design Studiums intensiv beschäftigt. In den ersten Semestern wurde großer Wert darauf gelegt, bewußtes Sehen zu erlernen, wofür ich auch heute noch sehr dankbar bin.

Du hast schon für zahlreiche Magazine publiziert. Gibt es hier eigentlich aktuelle Trends für Aktfotografen?

Wichtig sind meiner Meinung nach zwei Dinge. Erstens, ein Gefühl für den Zeitgeist zu entwickeln, um mit der eigenen Bildsprache auch den aktuellen Geschmack zu treffen. Zweitens, immer authentisch zu bleiben, dabei Fotos mit viel Liebe und Enthusiasmus zu produzieren anstatt bloß anderen Fotografen nachzueifern.

Welchen Stellenwert hat die Aktfotografie deiner Meinung nach in Deutschland im Vergleich mit anderen Ländern? Gibt es hier Aufholbedarf?

Auf jeden Fall! Oftmals glauben wir, in Deutschland in einem sehr liberalen und toleranten Land zu leben. Doch auch hierzulande hat die Facebook-Zensur dazu geführt, dass viele Leute automatisch aufschreien, sobald ein Nippel irgendwo zu sehen ist. Dabei ist Nacktheit in den Medien allgegenwärtig. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass Deutschland tendenziell noch recht prüde ist.

Können auch Privatleute bei dir ein Shooting für ihre Frau oder Freundin buchen? Wo liegt das budgetmäßig?

Bei dieser Frage muss ich spontan schmunzeln. Denn es ist wirklich schon passiert, dass jemand ein Shooting für seine Freundin bei mir buchen wollte. Nur leider hatte er vorher vergessen, seine Freundin zu fragen, ob sie denn erotisch von mir abgelichtet werden möchte. Meine privaten Shootings unterscheiden sich von dem, was man vielleicht aus dem Schaufenster des Fotoladens um die Ecke kennt. So mache ich keine Studiobilder, sondern fotografiere in schönem Ambiente. Dazu gibt es bei mir weder Federboas noch um die Hüfte gewickelte Tücher. Mir ist es wichtig, auf Wünsche und Bedürfnisse individuell einzugehen. Die Kosten für ein solches Shooting sind daher auch abhängig von den Vorstellungen des Auftraggebers und dem damit verbundenen Aufwand.

Gibt es so etwas wie den "goldenen Schnitt" bei Schönheit oder liegt es vielmehr im Auge des Fotografen bzw. Betrachters, wie eine Frau auf dem Foto wirkt?

Die Symmetrie eines Gesichts gilt oft als Kriterium bei der Bewertung von Schönheit. Große Augen, volle Lippen, eine schmale Taille und lange Beine sind bestimmt gute Voraussetzungen, um als schön zu gelten. Das alleine reicht aber nicht für ein schönes Foto. Der Charakter eines Menschen, und damit sind wir bei den inneren Werten, zählt aber ganz sicher genauso stark und sorgt dafür, dass die Ausstrahlung auf einem Foto ihre Wirkung erzielt.

Wie viele Fotos machst du eigentlich während eines Shootings und wie viele davon werden nach welchen Kriterien dann ausgewählt?

Für eine Fotostrecke schieße ich gewöhnlich um die 800 Bilder. Davon werden in mehreren Durchläufen die besten 20 bis 40 Aufnahmen ausgewählt. Die Hauptkriterien sind dabei der Ausdruck, ob eine Pose glaubwürdig erscheint und eine Geschichte transportiert wird.

Was war das ungewöhnlichste Shooting, das du bisher realisiert hast?

Im Frühling habe ich ein paar Bildstrecken auf Ibiza produziert. Als ich mit der holländischen Playmate Viola in einer abgelegenen Bucht rund dreißig Minuten Fußmarsch vom Parkplatz entfernt Aufnahmen gemacht habe, staunte ich nicht schlecht, als plötzlich hinter einem Busch ein nackter Spanier auftauchte, dessen Zauberstab starke Erregung signalisierte. Viola und ich schauten uns an und mussten beide so herzhaft lachen, dass der Nackte ebenso schnell wieder verschwand.

Wo kann man mehr von dir und deinen Models im Internet sehen?

Auf meiner Website www.simonbolz.com zeige ich alle vierzehn Tage eine neue Strecke. Aktuell arbeite ich an meinem ersten Buch, was Ende 2014 erscheinen wird. Dafür produziere ich derzeit fleißig neue Arbeiten, unter anderem jetzt im Winter auf den Kanaren.

Wo siehst du die moderne Aktfotografie in 10 Jahren?

Ich habe große Hoffnung, dass man auch in 10 Jahren Aktfotos noch auf Papier sehen kann. So schön die digitale Welt auch ist, hat ein gedrucktes Bild eine intensivere Wirkung. Schon jetzt ist die Aktfotografie ein sehr weites Feld mit unterschiedlichsten Stilrichtungen. Vom skulpturellen, sehr abstrakten Akt bis hin zur frech-bunten durchgeknallten Partyoptik, Stichwort Miley Cyrus, gibt es fast alles. Diese Vielfalt sehe ich als Bereicherung und freue mich über jeden, der den Mut hat, neue Bildwelten zu entdecken und eigene Wege zu beschreiten. Sicherlich wird es allerhand technische Trends geben. Da erotische Abbildungen immer auch durch Reduktion und Einfachheit bestimmt sind, bin ich mir sicher, dass Aktbilder wie wir sie heute lieben, uns auch in 10 Jahren noch begleiten werden.

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Der Frankfurter Fotograf Simon Bolz (37) ist spezialisiert auf die erotische Fotografie von Frauen. Er produziert Serien für Magazine, Kalender und Bücher. In seinen Arbeiten spielt der Fotograf bewusst mit Intimität und Provokation, häufig ohne dabei "etwas" zu zeigen. Die Bilder entstehen im Kopfkino des Betrachters. Während in den vergangenen Jahren Hotelzimmer die bevorzugte Location für die Fotoserien von Simon Bolz waren, zieht es ihn inzwischen auch regelmäßig an exotische Strände.