Angstfrei leben trotz Epilepsie – Christians Geschichte mit einem Neuroimplantat

Ein Implantat gegen die Angst: Wie Christian wieder frei leben kann

Mit 20 will man frei sein: ausgehen, reisen, das Leben ausprobieren. Für Christian aus Freiburg war das lange nicht selbstverständlich – zu groß war die Angst vor epileptischen Anfällen. Heute lebt er mit einem Neuroimplantat, das sein Gehirn überwacht und ihn warnt, bevor etwas passiert. Eine Geschichte über moderne Medizin, neue Freiheit und das Gefühl, das eigene Leben zurückzubekommen.

Christian aus Freiburg: Das Implantat EASEE® von der PRECISIS GmbH überwacht sein Gehirn und warnt ihn, bevor ein Anfall eintritt.

Christian sitzt in Freiburg an einem Tisch, spricht ruhig, manchmal sucht er nach Worten. Er ist 20, macht eine Ausbildung zum Grafikdesigner und lebt in einer WG. Auf den ersten Blick wirkt er wie viele andere in seinem Alter – und doch erzählt seine Geschichte von einem Alltag, der lange alles andere als selbstverständlich war. „Früher habe ich ständig darüber nachgedacht, ob und wann der nächste Anfall kommt“, sagt er. „Vor allem nachts hatte ich Angst. Man lebt irgendwie immer mit angezogener Handbremse.“ Christian hat Epilepsie. In Deutschland sind davon hunderttausende Menschen betroffen. Die Erkrankung gehört zu den häufigsten neurologischen Leiden überhaupt. Medizinisch entstehen die Anfälle durch plötzlich auftretende, unkontrollierte elektrische Entladungen im Gehirn – je nachdem, welche Regionen betroffen sind, äußern sie sich sehr unterschiedlich: von kurzen Aussetzern bis zu schweren Krampfanfällen.

Wenn Medikamente nicht reichen

Bei den meisten Patientinnen und Patienten lassen sich die Anfälle mit Medikamenten gut kontrollieren. Doch bei etwa jedem dritten Betroffenen gelten die Anfälle als medikamentös schwer behandelbar. Dann beginnt oft eine jahrelange Suche nach Alternativen. Zu dieser Gruppe gehörte auch Christian. „Ich habe über 15 verschiedene Medikamente ausprobiert“, erzählt er. „Manche haben ein bisschen geholfen, manche gar nicht. Aber wirklich sicher war ich nie.“ Für ihn bedeutete das: Schule unter Vorbehalt, Prüfungen unter Vorbehalt, Zukunftspläne unter Vorbehalt. Immer wieder Krankenhausaufenthalte, immer wieder die Unsicherheit, ob der nächste Tag planbar sein würde. Epilepsie ist damit nicht nur eine medizinische Diagnose. Sie beeinflusst, ob jemand Auto fahren darf, allein wohnen kann, spontan verreist oder bestimmte Berufe ergreift. Viele Betroffene leben vorsichtiger, strukturierter – und oft mit einer ständigen inneren Alarmbereitschaft.

Neue Wege in der Epilepsie-Therapie

Wenn Medikamente nicht ausreichen, gibt es weitere Optionen: In manchen Fällen kann eine Operation helfen, bei der krankhaft veränderte Hirnareale entfernt werden. In anderen kommen Verfahren der Neurostimulation zum Einsatz – also Systeme, die gezielt in die elektrische Aktivität des Gehirns eingreifen oder sie überwachen. In der Forschung rückt seit einigen Jahren besonders ein Ansatz in den Fokus: Anfälle nicht nur zu behandeln, sondern möglichst früh zu erkennen bevor sie den Alltag aus der Bahn werfen. Ziel ist es, den Betroffenen mehr Sicherheit und Planbarkeit zurückzugeben.

„Lass uns darüber sprechen“

Vor rund dreieinhalb Jahren brachte Christians Ärztin genau so eine Option ins Spiel: ein Implantat namens EASEE, entwickelt vom Medizintechnik-Unternehmen Precisis. „Sie hat nur gesagt: ‚Lass uns darüber sprechen‘“, erinnert sich Christian. „Und ich hatte sofort das Gefühl: Das könnte wirklich etwas verändern.“ Das System wird unter die Kopfhaut implantiert und misst kontinuierlich Hirnsignale. Mithilfe von Algorithmen werden Muster erkannt, die auf einen bevorstehenden Anfall hindeuten können – gewissermaßen ein Frühwarnsystem für das Gehirn. Für Christian war die Entscheidung überraschend klar: „Ich hatte nicht wirklich Angst. Ich war eher optimistisch. Ich dachte: Wenn das funktioniert, bekomme ich ein Stück Freiheit zurück.“

Hightech, die im Alltag ankommt

Der Eingriff war kein kleiner Schritt für Christian: „Klar, das ist eine OP. Und am Anfang muss man sich erst daran gewöhnen.“ Doch schon bald zeigte sich, dass sich etwas veränderte. „Seitdem wurde das System immer weiter eingestellt. Und man merkt einfach: Es macht einen Unterschied“, erzählt Christian. Heute nimmt er weniger Medikamente als früher. Vor allem psychisch habe sich viel getan: „Dieser dauernde Druck ist weg. Ich fühle mich wieder mehr wie ich selbst – nicht nur wie ‚der mit der Krankheit‘.“ Studien zu implantierbaren Neurostimulationssystemen zeigen, dass sich bei vielen Menschen mit schwer behandelbarer Epilepsie die Anfallshäufigkeit deutlich reduzieren lässt. Bei einem Teil sogar um mehr als die Hälfte. Für viele bedeutet das nicht nur weniger Anfälle, sondern vor allem mehr Sicherheit im Alltag. Für Karl Stoklosa, CEO von Precisis, ist genau das der Kern der Entwicklung: „Unser Ziel war nie nur, ein technisches Gerät zu bauen. Wir wollten Menschen mit Epilepsie Freiheit, Sicherheit und Lebensqualität zurückgeben. Die Krankheit betrifft nicht nur den Körper, sondern das ganze Leben – Selbstvertrauen, Freiheit, Planung.“

Zurück in ein normales Leben

Christian lebt heute in einer WG in Freiburg, macht seine Ausbildung zum Grafikdesigner und fährt am Wochenende oft zu seiner Familie. In der Freizeit geht er unter anderem zum Bogenschießen – ein Hobby, das Konzentration und Ruhe verlangt. „Früher habe ich ständig überlegt: Was ist, wenn jetzt was passiert?“, erinnert er sich. Heute denke er viel weniger drüber nach.

Warum Aufklärung wichtig ist

In Schule und Freundeskreis spricht Christian offen über Epilepsie: „Viele wussten gar nicht, was das eigentlich ist. Manche dachten, das ist super selten.“ Dabei gehört die Krankheit zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen überhaupt – und trotzdem ist sie im Alltag oft mit Vorurteilen oder Unsicherheit behaftet. „Wenn man darüber redet“, sagt Christian, „merken die Leute: Das ist nichts Exotisches. Und vor allem: Die Menschen, die das haben, sind ganz normal.“ Am Ende fasst Christian seine Situation zusammen: „Seit dem Eingriff empfinde ich es so, dass die Epilepsie mich nicht mehr kontrolliert. EASEE nimmt mir endlich die Angst – und ich kann wieder frei leben.“


Über Precisis:

Die PRECISIS GmbH ist ein innovatives Medizintechnikunternehmen mit Sitz in Heidelberg, Deutschland, das sich der Weiterentwicklung neuromodulatorischer Lösungen für Patientinnen und Patienten mit neurologischen Erkrankungen widmet. Seit ihrer Gründung im Jahr 2014 hat sich PRECISIS mit dem EASEE®-System – ihrem wegweisenden, minimalinvasiven Gehirnschrittmacher für medikamentenresistente fokale Epilepsie – auf Basis belastbarer klinischer Evidenz etabliert. Ausgezeichnet mit dem renommierten Health-i Award des Handelsblatts für diesen Durchbruch und als Gewinner des Shark Tank-Wettbewerb der American Epilepsy Foundation demonstriert PRECISIS sowohl technologische Exzellenz als auch ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse von Patientinnen, Patienten und behandelnden Ärztinnen und Ärzten. Mit einem Fokus auf Europa und die Vereinigten Staaten verfolgt das Unternehmen das Ziel, die Lebensqualität weltweit nachhaltig zu verbessern, indem es frühe, wirksame Therapieoptionen bereitstellt und neue Standards in der Neuromodulation setzt. Weitere Informationen finden Sie unter https://precisis.de