Climax: Ad hoc Tanzfilm mit viel LSD

Ratlos und etwas verwirrt macht Climax mich. Ist es wirklich der „absolut brillant inszenierte Bilderrausch“ (Hamburger Morgenpost), oder einfach nur ein wirres Filmprojekt, das kräftig in die Hose gegangen ist?

Worum es geht? Angeblich um eine wahre Story: Eine fanzösische Multi-Kulti-Tanzgruppe (und eine häßliche Deutsche) quartieren sich für Proben in einem abgelegenen Übungszentrum ein. Bei der Abschlussparty mischt jemand aus dem Team heftige Drogen in die Sangría und verursacht damit einen kollektiven Höllentrip. 

Aus Angst wird Paranoia, aus unterschwelliger Aggression offene Gewalt, aus Zuneigung unkontrollierte Begierde. Die Tanzchoreografie löst sich in Chaos auf, die protagonisten taumeln, stolpern und tanzen bis zum Morgengrauen weiter und gehen dabei über Leichen.


Die Filme des argentinisch-französischen „Agent provocateur“Gaspar Noé werden von vielen Kritikern über den grünen Klee gelobt. Für Climax kann das nur uneingeschränkt für die Kameraführung und die schauspielerischen Leistungen in Anspruch genommen werden. Drehbuch und Regie verharren in dem "mal schauen, was passiert"-Improvisationsstatus, deren unfertiges, teilweise durch endlos lange Szenen sogar ermüdende Ergebnis die Gesamtqualität des Streifens reduziert.

Die Tanzszenen wurden "in kürzester Zeit mit professionellen Tänzern gedreht" meint die PR - und das sieht man dem Film leider auch an. Er ist ein Ad hoc Tanzfilm mit viel LSD. Egal, bei den Filmfestspielen in Cannes wurde Climax in der Reihe Quinzaine des Réalisateurs (keine Ahnung, was das ist) mit dem Hauptpreis ausgezeichnet und dies ist nur eine Einzelkritik. Wer auf ungewöhnliche Streifen steht, sollte sich wohl unbedingt selbst ein Urteil bilden.

Am 12. April erscheint Climax als DVD, Blu-ray, digital sowie als limitiertes und serialisiertes Mediabook bei Alamode Film.